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Zwischen
Räumen

21.08. – 16.10. 2011

Gruppenausstellung

Björn Braun, Jana Eske, Lutz Fezer, Martin Pfeifle, Martina Sauter, Albrecht Schäfer, Katrin Ströbel

In der Ausstellung „Zwischen Räumen“ präsentiert der Kunstverein Göttingen Arbeiten der zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstler Björn Braun, Jana Eske, Lutz Fezer, Martin Pfeifle, Martina Sauter, Katrin Ströbel und Albrecht Schäfer, die sich auf unterschiedlichste Weise mit dem Thema Raum auseinandersetzen. Gemeinsam ist ihnen außerdem die Auszeichnung mit einem Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg.

Martin Pfeifles künstlerische Interventionen im Ausstellungsraum sind für den Betrachter konkret nachvollziehbar und physisch erfassbar. Er greift zwar in den Raum ein, die Veränderungen finden jedoch stets in Anlehnung an die vorhandene Architektur statt. So schafft er ortsbezogene, skulpturale Rauminstallationen, die einerseits auf die Ästhetik der Minimal Art zurückgreifen, andererseits diese jedoch durch die Verwendung handelsüblicher Baumarkt-Produkte konterkarieren.

Björn Brauns skulpturale Arbeiten binden die Umgebung des Ausstellungsraums noch direkter mit in die künstlerischen Transformationsprozesse ein. Er nutzt oft vor Ort vorhandenes, vorgefundenem Material für seine Installationen oder baut aus bestehendem Neues. Auf humoristische Art und Weise verwischt er in seinen oft paradoxen Installationen die sonst so starren Grenzen zwischen Innen und Außen, Kunst und Natur.

Albrecht Schäfer hingegen greift sehr subtil in einen vorhandenen Raum ein. Anstatt etwas neues zu konstruieren, verändert er Bestehendes mit Hilfe von gezielter Demontage, Auslassung oder Modifikation. Er sucht und findet die Besonderheit alltäglicher Dinge und führt dem Betrachter diese durch kleine Eingriffe vor Augen. Dadurch erscheinen vertraute Gegenstände plötzlich in einem anderen Licht und erhalten neue Facetten – aus  Gewohntem wird Ungewohntes. Er nutzt den Raum nicht nur als Umfeld seiner Arbeiten, sondern auch als Material, da sich viele seiner Arbeiten mit ihm untrennbar verbinden.

Katrin Ströbel entwickelt ihre Arbeiten im Bezug auf einen bestimmten Ort und die Erfahrungen, die sie dort gesammelt hat. Meist sind die Werke zusätzlich auf den Ausstellungsort konkret zugeschnitten und deshalb in doppeltem Sinne ortsspezifisch.  Als Reisende, in der Fraktur von verschiedenen Kulturen und Räumen, befindet sie sich auf der Suche nach den Zwischenräumen, die oft übersehen werden. Die künstlerische Verarbeitung des erlebten Raums und der gegebenen, räumlichen Strukturen führt zu gezeichneten Strukturen an der Wand, zu Strukturkonglomeraten, die sich als Zeichnungen, Projektionen oder Fotoinstallation manifestieren. So entstehen Bildräume, die außerhalb jeglicher Proportionen liegen und eine eigene Räumlichkeit darstellen. Katrin Ströbel geht in ihrer Kunst Fragen nach sozialer und gesellschaftlicher, sowie räumlicher Verortung nach.

Die Künstlerin Martina Sauter erweitert in ihren Fotografien den Raumbegriff, indem sie  fiktive Bilder aus Film und Fernsehen mit ihrer eigenen, neu erschaffenen Bildwelt kombiniert und dadurch einen neuen fiktiven Bildraum schafft. Sie verbindet in ihren Arbeiten Filmstills des klassischen Kinos und Fotografien arrangierter Situationen zu einem auf Linien, Formen und Farbflächen reduzierten Gesamtbild, das einen realen Raum andeutet, ihn jedoch nicht klar ausformuliert.

Im Gegensatz zu Martina Sauters Arbeiten ergänzt Lutz Fezer nicht, er abstrahiert, perforiert, nimmt weg, legt frei. Auf bildlicher Ebene bedeutet das, er bedient sich beispielsweise Modefotografien, aus Magazinen ausgeschnitten oder aus dem Internet kopiert oder Autogrammkarten von Politikern. Die Eingriffe ins Bild manifestieren sich in Schnitten und Stanzungen oder im Besprayen. Lutz Fezers Eingriffe auf den den Bildträger sind zugleich – auf  inhaltlicher Ebene – Kommentare zu Anspruch und Norm, Schein und Sein, sowie Realität und Fiktion. Er legt frei, was sich hinter dem Schleier von Werbung, Film und Fernsehen, Politik und Wirtschaft in Wirklichkeit befindet: eine Klassengesellschaft, in der Korruption, Betrug und Machtspiele an der Tagesordnung sind.

Auf eine andere Art und Weise nutzt auch Jana Eske in ihrer Wandarbeit „WENN ICH MICH UMDREHE STEHT ES HINTER MIR“ Schrift um den Raum für den Betrachter zu aktivieren. Es geht ihr darum sein Raumbewusstsein zu schärfen und den Raum für ihn erfahrbar zu machen. Das Verhältnis von Körper und Raum ist ein Thema, das die Künstlerin auch in ihren Videoarbeiten reflektiert. Diese zeigen meist einen eingeschränkten, jedem Kontext entnommenen Raumausschnitt, in dem die Handlung abläuft. Jana Eske geht es um die Erforschung von Räumen und Gegenständen: Durch visuelles Erfühlen eruiert sie suksessiv ein dem Betrachter bekanntes Umfeld in neuer Art und Weise.